Exposée

Das schriftliche Exposé steht am Ende der Orientierungs- und Planungsphase beim Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit, damit eingeschätzt werden kann, ob das Vorhaben in der beabsichtigten Form realistisch ist oder noch wesentlicher Modifikationen bedarf. Die Leserin bzw. der Leser eines Exposés soll dabei erfahren, was die Fragestellung ist, wie die Arbeit aufgebaut ist, welche Quellen es zum gewählten Thema gibt, welche Thesen man verfolgt, wie der theoretische Zugang angelegt werden soll und welche Methoden zur Beantwortung der Fragestellung angewandt werden sollen. Das Exposé stellt somit eine nützliche Grundlage für etwaige Beratungsgespräche dar. Ferner stellt das Verfassen eines Exposés eine gute Möglichkeit dar, sich selbst Klarheit über die eigenen Ziele und Möglichkeiten zu verschaffen und es soll helfen, Schwächen der geplanten Arbeit aufzudecken bzw. Sackgassen und Irrwege zu vermeiden. Der Umfang des Exposés für eine Bachelorarbeit sollte etwa 3-5 DIN-A4 Seiten betragen.

Zweck eines Exposés … ist zum einen die Fragestellung der Arbeit zu entwickeln und zum anderen soll der Rahmen der Arbeit dargelegt werden. Ein Exposé sollte dabei lediglich den Rahmen des Themas festlegen und speziell bei empirischen Untersuchungen Stichprobe, Design, Variablen und Auswertungsschritte grob umreißen. Auf keinen Fall ist es erforderlich, dass der theoretische Teil der geplanten Arbeit bereits fertig gestellt ist.

 

Problemstellung 

Jede wissenschaftliche Arbeit fängt mit einer Idee und Vorüberlegungen zu einem Thema an. Sie sollten in Ihrem Exposé darlegen, dass sich Ihre Arbeit einem „lohnenden“ Thema bzw. einer diskursrelevanten Fragestellung widmet. Erläutern Sie, warum es das behandelte Problem wert ist, wissenschaftlich untersucht zu werden! Ausgangspunkte könnten beispielsweise eine persönlich relevante Problemsituation, Beobachtungen in der Praxis oder etwa eine in der Literatur behandelte Fragestellung sein.


Leitfrage und logisches Gerüst 

Was soll Ihre Arbeit herausfinden? Formulieren Sie Ihre Fragestellung dabei bereits möglichst präzise! Ihre Leitfrage kann anschließend in Ihrer geplanten Arbeit weiter in Detailfragen oder Thesen ausdifferenziert werden. In Ihrem Konzept legen Sie dar, worum es in Ihrer Arbeit geht, wie der Forschungsstand aussieht, welche Ziele Sie mit Ihrer Arbeit verfolgen, wie Sie vorgehen werden (Aufbau) und welche Methode(n) Sie anwenden wollen. Wenn Sie eigene Hypothesen haben, legen Sie diese kurz dar. Je nach Fragestellung lassen sich auch bereits Einschränkungen vornehmen. Für die Leserin bzw. den Leser des Exposés muss klar ersichtlich sein, was Sie mit Ihrer Fragestellung herausfinden möchten. Mitunter kann es sinnvoll sein, eine erste grobe Gliederung zu entwickeln, die als logisches Gerüst der Arbeit dienen kann. Aus der Gliederung sollten die theoretischen Bausteine, aber auch die Zielsetzung Ihrer Arbeit ersichtlich werden. Aus der Gliederung sollte sich der Aufbau Ihrer Arbeit ableiten lassen.

 

Forschungsstand und Quellenlage 

 

Gehen Sie unbedingt auf den (wissenschaftlichen) Diskussionsstand zum Thema Ihrer Arbeit ein! Dazu verschaffen Sie sich einen ersten Überblick über relevante Literatur (z.B. Monografien, Sammelbände, Fachzeitschriften) und etwaige andere Quellen (z.B. Dokumente, Datensätze, Internetquellen). Bewegen Sie sich mit Ihrer Arbeit auf einem bereits entwickelten Forschungsgebiet, sollten Sie auf Theorien, Hypothesen, Ergebnisse, … durchaus Bezug nehmen.

 

 

Untersuchungsansatz bzw. Forschungsmethode 

 

Wie haben Sie vor, bei der Bearbeitung Ihres Themas vorzugehen? Versuchen Sie dabei, bereits so konkret wie möglich zu beschreiben, auf welchen Wegen Sie Erkenntnisse (Daten) sammeln und welche (Auswertungs-)Verfahren zur Anwendung kommen sollen! Wer oder was sind Ihre Untersuchungsobjekte und welchen Untersuchungszeitraum wollen Sie betrachten? Das methodische Vorgehen leitet sich im Wesentlichen aus der Zielsetzung Ihrer Arbeit ab. Je nach Art der wissenschaftlichen Arbeit (Bachelorarbeit, Master Thesis etc.) werden verschiedene wissenschaftliche Methoden verwendet. Diese können literaturzusammenfassender bzw. –vergleichender, qualitativer (Interviews, Textanalysen, …) oder auch quantitativer Natur (statistische Methoden etc.) sein. Dazu ist es von grundlegender Bedeutung, dass Sie Ihre Forschungsfrage bzw. Fragestellung „operationalisieren“, d. h. Sie erklären, wie Sie mit Ihrer gewählten Methode die Fragestellung beantworten wollen und warum diese dafür geeignet ist

 

 

Ergebnisse

 

Auch wenn die Ergebnisse Ihrer Arbeit erst zum Schluss vorliegen werden, ist es doch mitunter ratsam, Überlegungen anzustellen, was am Ende herauskommen könnte. Da Sie ja ein Forschungsinteresse verfolgen und daher auch eine Annahme hegen, ist es durchaus legitim Vermutungen anzuführen, wie die Ergebnisse sich darstellen könnten. Besonders in der quantitativ-hypothesentestenden Forschung die Bildung von Hypothesen eine Notwendigkeit. Insgesamt können Sie mit der Formulierung von Vermutungen erreichen, dass Sie Ihr Ziel klarer vor Augen haben und sich nicht in „Nebensächlichkeiten“ verlieren.

 

 

Projektplan und Machbarkeit

 

Üblicherweise haben Sie für Ihre Arbeit nur ein begrenztes Zeitbudget, gehen Sie daher ökonomisch

damit um! Stellen Sie einen Projektplan auf, der die einzelnen Arbeitsschritte grob umreißt und auch

den dafür notwendigen Zeitbedarf aufweist. Auf jeden Fall sollte aus Ihrem Exposé hervorgehen, dass

die geplanten Arbeitsschritte mit Ihren verfügbaren Ressourcen machbar sind.

 

 

vorläufige Literaturliste

 

Fügen Sie Ihrem Exposé unbedingt eine Liste mit bereits identifizierten Quellen bei.

Ziel Ihrer Literaturrecherche sollte (am Beginn) eine vorläufige Literaturliste für Ihr Erkenntnisinteresse

bzw. Ihre Forschungsfrage sein. Versuchen Sie wichtige Schlagwörter und Autoren für Ihr Thema herauszufinden.

Konzentrieren Sie sich auf Literaturstellen, die dabei immer wieder zitiert werden. Es ist

ratsam, auch auf englischsprachige Literatur zuzugreifen, da aktuell der mit Abstand größte Teil an

Forschungsergebnissen in dieser Sprache veröffentlicht wird.

 

 

 

Verfassen eines EXPOSÉS

Aufbau (Vorschlag)

 

1. Problemstellung, Fragestellung und Begründung der Themenwahl

Hier sollten Sie die eigentliche Problemstellung und Ihre allgemeine Fragestellung, die der Arbeit zugrunde liegt, klar umreißen und als für die Wissenschaft interessanten Kontext darstellen. Ferner sollten Sie die wichtigsten Aspekte der Arbeit zum Ausdruck bringen und auch eine Eingrenzung: vom Horizont der Möglichkeiten zu einem erreichbaren Ziel skizzieren. Ferner sollten auch Zusammenhänge mit individuellen, pädagogischen, gesellschaftlichen Situationen aufgezeigt werden. Ein oftmals gemachter Fehler besteht darin, die eigenen Lösungsansätze nicht mit Problemen auseinanderzuhalten.

 

2. Überblick über die Forschungslage

Eine knappe (positive wie auch negative) Würdigung der thematisch einschlägigen Forschungsliteratur sollte hier wiedergegeben werden. Von welchem wissenschaftlichen Standort wird ausgegangen? (Angabe des eigenen wissenschaftlichen Selbstverständnisses – der eigenen Position.) Was ist (Ihnen) über dieses Thema bereits bekannt – Literatur, Forschung, Allgemeinwissen, …?

 

3. Diskursrelevanz

In Relation mit einem kritischen Überblick über die Forschungslage, soll hier zum Ausdruck gebracht werden, in welchen Aspekten die Behandlung der Thematik einen bedeutsamen Beitrag zur Forschung und Entwicklung darstellen wird. Wird ein Praxisbezug hergestellt? – Lehrplan, Institution, Personen, Ausbildung, Modell, Empfehlung, Projekt, Lehrgang … Wer sind die Adressatinnen bzw. Adressaten der Arbeit? Für wen schreiben Sie? Welche Frage soll beantwortet werden? Welche Annahme untersucht werden, belegt oder widerlegt werden?

 

4. Vorarbeiten

Zeigen Sie hier auf, dass Sie sich bereits in die Thematik eingearbeitet haben. Führen Sie hier ihre präzisierten Untersuchungsfragen bzw. Hypothesen und ggf. eine begründete Konzeption Ihrer Untersuchung an. U.U. kann auch ein vorläufiges Inhaltsverzeichnis hilfreich sein, indem es der angestrebten schriftlichen Arbeit bereits zum aktuellen Zeitpunkt eine gewisse Struktur verschafft.

 

5. Methodenwahl

In diesem Abschnitt sollte die gewählte Methodik im Hinblick auf den Untersuchungsgegenstand und das Thema genannt werden (z.B. Literaturarbeit, hermeneutische Arbeit, qualitative Studie, quantitative Studie). Klären Sie also, welche wissenschaftliche(n) Methode(n) zum Einsatz kommen werden, um Erkenntnisse zu gewinnen.

 

6. Zeitplan und Arbeitsschritte

Hier geht es um eine realistische und bewältigbare Strukturierung Ihrer einzelnen Arbeitschritte.

Sie sollten mitunter auch ins Kalkül ziehen, dass der Ablauf nicht immer (von

Ihnen) selbst gesteuert wird, sondern es auch weitere Einflussfaktoren zu berücksichtigen gilt (z. B. Zugang zu div. Forschungsfeldern, unvorhersehbare Ereignisse etc.)

7. Bibliographie

In Ihrem (vorläufigen) Literaturverzeichnis bzw. Ihrer Bibliographie werden bereits zusammengetragene

einschlägige Primär- und Sekundärtitel aufgelistet. Gelesenes (mit Kurzangaben);

noch zu lesende Werke und (noch zu setzende) thematische Schwerpunkte;

 

Literatur

Pyerin, B. (2001). Kreatives wissenschaftliches Schreiben. Weinheim/München: Juventa-Verlag.

Seibold, G. (2009). Das perfekte Exposé zu einer Dissertation (4. Auflage). Norderstedt: Books on Demand. Studieren.at (2018). Exposé. (2018, September 29). Verfügbar unter https://www.studieren.at/infos/uni-abc/expose/

Werder von, L. (1993). Lehrbuch des kreativen Schreibens. Berlin/Milow

 

Quelle: http://www.phdl.at/fileadmin/user_upload/Verfassen_eines_Exposes.pdf