Familienbrett

Hans-Werner Gessmann

Das Familienbrett als Hilfsmittel und Methode in der systemischen Therapie wurde 1978 von einer Arbeitsgruppe um Kurt Ludewig in der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychotherapie des Universitätskrankenhauses Hamburg- Eppendorf, parallel zur Entstehung der Systemischen Therapie entwickelt.

Die Entwicklung dieses Verfahrens ergab sich aus der Notwendigkeit, eine Methode zu finden, mit der die Komplexität von Verläufen und Ergebnissen in Familientherapien möglichst unverfälscht dokumentiert werden konnten.

Bei dem Familienbrett handelt es sich um ein quadratisches Holzbrett, mit den Maßen 50 x 50 cm. Die Fläche des Bretts wird zur Aufstellung von Holzfiguren verwendet. Einige Zentimeter vom Rand entfernt befindet sich eine Linie, die in der Aufstellungsarbeit als Begrenzung benutzt wird. Für die Aufstellung werden Holzfiguren unterschiedlicher Größe und Form, das heißt viereckig, sechseckig und rund, benutzt.

Das Familienbrett dient der dreidimensionalen Darstellung von Beziehungen in Familien oder anderen sozialen Systemen. Es kann demnach auch in der Einzelberatung, Supervision oder Organisationsberatung Anwendung finden.

Das Familienbrett gibt die Möglichkeit der subjektiven Darstellung der Struktur und der Funktionsweise eines Systems und eröffnet dem Aufstellenden viele Möglichkeiten, sich mit seiner Situation und Möglichkeiten der Veränderung auseinanderzusetzen.

Um mit dem Familienbrett eine Anamnese beziehungsweise eine Bestandsaufnahme zu erheben, bietet es sich an, dabei die grundlegenden Analyseebenen eines Systems zu berücksichtigen: Struktur, Kommunikation, Regeln.

Für das Erheben von Daten können den Figuren feste Merkmale zugeordnet werden. So werden die runden Figuren für die weiblichen und die eckigen für die männlichen Personen benutzt.

Für die therapeutische Arbeit mit dem Familienbrett lassen sich die einzelnen Ansätze der systemischen Therapie darauf übertragen. Hierbei sollte der Therapeut dem Klienten selbst überlassen, welche Figuren welche Personen darstellen sollen.

Es handelt sich bei dem Familienbrett zwar um keinen eigenen Therapieansatz, sondern vielmehr um ein wertvolles, ergänzendes Werkzeug, mit dem theoretische Anregungen mit Leben gefüllt und emotionale Aspekte gut integriert werden können.