Humanistisches Psychodrama - Fortbildungsordnung

Übersicht zu den Fortbildungen

Das Psychodrama ist eine seit Jahrzehnten etablierte und erprobte Psychotherapieform, die in ihrer Arbeit gruppentherapeutische Ansätze, Rollenspielformen und therapeutisches Theater miteinander verbindet.

Jakob Levy Moreno (1889-1974), der Begründer des Psychodramas, vereinte im Psychodrama seine gruppentherapeutischen Erfahrungen, die er in vielfältiger Arbeit mit Problem- und Randgruppen gewonnen hatte, mit Formen des therapeutischen Theaters und Rollenspiels. Er versuchte in Theorie und Praxis aus diesen beiden unterschiedlichen Elementen eine konsistente Therapieform zu schaffen. Die nachfolgenden Generationen von Psychodrama-­Therapeuten haben Morenos Gedanken weiterentwickelt und das Psychodrama durch Anlehnungen an und Abgrenzungen zu anderen Therapieformen jeweils unterschiedlich akzentuiert.

Das Psychotherapeutische Institut Bergerhausen unter der Leitung von Hans-Werner Gessmann setzt bei dem für Jakob Levy Moreno wichtigen Gedanken einer Integration von interaktioneller Wirklichkeit und biographisch bestimmter Autonomie des Einzelnen erneut an und betont in der therapeutischen Arbeit die Einheit beider Anteile.

Wenn von der interaktionellen Wirklichkeit des Einzelnen gesprochen wird, so soll damit der Versuch gemacht werden, jenes Phänomen zu verstehen, das die Sozialität zu einer wirklichen Gemeinsamkeit werden lässt, in der jeweils eine soziale Wirklichkeit geschaffen wird, die auch den Einzelnen in der Situation zutiefst bestimmt. Da das Individuum die situative Wirklichkeit mitgestaltet, wird es nicht zum bloßen fremdbestimmten Objekt. Die interaktionelle Wirklichkeit lässt sich als eine Funktion des Schaffensprozesses zu einer Gemeinsamkeit hin verstehen. Der Einzelne kann so aber niemals als reine, lediglich ihm zugehörige Indi­vidualität verstanden werden, sondern immer nur in der aktuellen, kreativen Gestaltung seiner individuellen Biographie auf eine soziale Situation hin.

Dabei hat die Sozialität nicht nur einen Materialwert, so dass der Einzelne sich in einem sozialen Kontext ausdrückt, sondern ist ein eigener aktiver Faktor, der gemeinsam mit den biographischen individuellen Anteilen die interaktionelle Wirklichkeit schafft. Diese Situation wird Ausdruckslage genannt. Auf ihr baut die Psychodrama-Therapie auf und ermöglicht eine therapeutisch geleitete Arbeit an der Ausdruckslage.

In diese Ausdruckslage, die sich jeweils einstellt, wenn Menschen zusammenkommen und die um so offener ist, je geringer der offizielle Anteil der Situation ist, gehen viele verschiedene Faktoren mit ein: gesellschaftliche und kulturelle Bedingungen der Situation, räumliche und zeitliche Gegebenheiten und vor allem die biographisch-individuellen Anteile der Beteiligten.

Jede interaktionelle Situation zeigt sich als eine Integration von sozialen und individuell-psychischen Anteilen. Es bildet sich eine Ausdruckslage, die je nach Art der in sie eingehenden Bedingungen und Faktoren mehr flexibel oder mehr verkrustet ist.

Das Humanistische Psychodrama setzt an diesem Punkt eines jeweils aktiven und integrierenden Prozesses in der Begegnung von Menschen an. Durch die vielen gruppentherapeutischen Erfahrungen mit dem Psychodrama wurden Methoden entwickelt, die es möglich machen, eine Gruppenbildung zu unterstützen, in der eine offene Ausdruckslage entsteht, in die andere oder mehr biographische Anteile eingehen, als dies für jeden der Anwesenden in seiner normalen Lebenssituation möglich ist.

Gemeinsam mit dem Leiter schaffen die Gruppenmitglieder durch ihren Umgang miteinander eine Therapiesituation, in der dem Einzelnen ein erweiterter Erfahrungs- und Handlungsraum zur Verfügung gestellt wird. Darauf aufbauend werden die therapeutischen Formen des Theater- und Rollenspiels eingesetzt, um die in den Interaktionen aktuell gewordenen Erfahrungen, Erinnerungen oder Wünsche vertiefend zu gestalten und im Kontext der Biographie in der aktuel­len Ausdruckslage neu zu formen und zu erleben.

Das Humanistische Psychodrama ist damit in seiner Theorie und Praxis nur kurz angesprochen und in einigen wichtigen Gedanken skizziert worden. Es hat auf der Grundlage der Arbeiten Jakob Levy Morenos die Erfahrungen der neueren psychotherapeutischen Entwicklungen aufgenommen.

Zugleich bezieht sich das Humanistische Psychodrama auf die therapeutischen Erfahrungen der Humanistischen Psychologie, die dem Einzelnen auf der Grundlage gemeinsamer sozialer Erfahrungen, einen Handlungs- und Erfahrungsraum öffnen will, in dem er auf seine soziale Wirklichkeit hin sein seelisches und geistiges Potential entfalten kann. Das therapeutische Spiel in der Gruppe, die sich zu einer solchen erst gefunden hat, bietet die Möglichkeit, beide Gehalte in der Therapie wirklich werden zu lassen, so dass es für die Beteiligten zu einer heilenden und lösenden Erfahrung wird.

Das Humanistische Psychodrama ist als Therapieform in speziellen therapeutischen Gruppen einsetzbar, aber auch als Methode innerhalb von Lebensgruppen zu verwirklichen. So können psychodramatische Methoden in stationären Einrichtungen, in Heimen, therapeutischen Gemeinschaften und in speziellen ambulanten Patientengruppen genutzt werden. Bewährt hat sich das Humanistische Psychodrama auch innerhalb der Kinder-, Geronto- und Suchttherapie.

Neben diesen psychotherapeutischen Arbeitsfeldern hat es sich aber auch als begleitende Methode für die Selbsterfahrungsarbeit, die Supervision und als pädagogisches Instrument bewährt. Je nach Einsatzgebiet, zum Beispiel bei der Mitarbeiter- und Führungskräfteentwicklung, hat das Psychodrama bestimmte Veränderungen erfahren, ohne sich dabei aber in seinen Grundgegebenheiten verändert zu haben.

Fortbildung Psychodrama-Assistent/in

Der Fortbildungsgang "Psychodrama-Assistent/in" führt in das Humanistische Psychodrama ein. In einer Selbsterfahrungsgruppe werden die Teilnehmer/innen mit dem Aufbau einer Psychodrama-Gruppe vertraut gemacht. In dieser Gruppe lernen sie, mit den spezifischen diagnostischen und therapeutischen Methoden des Psychodramas umzugehen. Sie werden befähigt im Kontext ihrer eigenen Sozialität und Biographie die Methoden des Psychodramas zu verwenden, die therapeutische Arbeit auf eine Gruppe und jedes ihrer Mitglieder auszurichten und dabei die Grenzen zu sehen, die ihnen in ihrem jeweiligen Kenntnisstand gesetzt sind.

In der begleitenden, praktischen Arbeit und der sie reflektierenden Supervision sollen die Teilnehmer/innen ihre psychodramatischen Kenntnisse auf ihre Arbeitserfahrungen übertragen und innerhalb der Gruppe reflektieren.

Das Psychodrama ist als Therapie und Selbsterfahrungsmethode stets eng auf eine praktische Umsetzung bezogen, die bereits in der Fortbildung zum/zur Psychodrama-Assistenten/in erfolgt. Die Fortbildung findet in Selbsterfahrungsgruppen statt, in denen und mit denen die relevanten praktischen Kenntnisse gewonnen und vermittelt werden. Diese stark praktisch ausgerichtete Arbeit wird in Theorieseminaren begrifflich und systematisch reflektiert und in einem übergreifenden psychologischen Kontext dargestellt.

Fortbildungsziele

Der Fortbildungsgang soll im einzelnen dazu befähigen,

·         als Assistent/in eines Psychodrama-Therapeuten in therapeutischen Gruppen psychodramatisch arbeiten zu können,

·         Gruppen psychodramatisch zu leiten, die selbsterfahrungs- und/oder themenbezogen arbeiten,

·         konflikthafte Erlebnisse, Einstellungen und Verhaltensweisen aus der eigenen Biographie und Sozialisation zu erarbeiten und eigene Sichtweisen gegebenenfalls zu verändern,

·         die diagnostischen und therapeutischen Methoden des Psychodramas zu beherrschen und in Gruppen anwenden zu können,

·         Problemstellungen psychodramatisch anzugehen, ihre Untersuchung zu planen und methodisch Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln,

·         für das Psychodrama relevante Kenntnisse in der psychologischen Diagnostik, der Gruppenentwicklung und der Persönlichkeitspsychologie zu beherrschen und in der psychodramatischen Praxis anzuwenden,

·         psychodramatische Begriffs-, Hypothesen- und Modellbildung unter Berücksichtigung fachspezifischer Methodenkritik kennenzulernen.

Fortbildungsvoraussetzungen

1.     Die Zulassung zur Fortbildung im Psychodrama setzt im allgemeinen eine Berufsausbildung, eine Berufstätigkeit oder ein Studium voraus, das sich inhaltlich auf Menschen bezieht. Das Berufsspektrum erstreckt sich von medizinischen, psychologischen, sozialen, schulpädagogischen und theologischen bis hin zu pflegerischen Berufen.

2.     Der/die Bewerber/in sollte über Erfahrungen in der psychodramatischen Gruppenarbeit oder in anderen therapeutischen Gruppen verfügen.

3.     Die Motivation zu dieser Fortbildung ist besonders wichtig. Auf sie wird in der Auswahl der Bewerber/innen großen Wert gelegt, und sie ist in Grenz- oder Ausnahmefällen ausschlaggebend.

Bewerbung

Die Bewerbung zur Teilnahme an der Fortbildung muss schriftlich erfolgen. Senden Sie diese bitte an die Geschäftsstelle der PIB GmbH.

Als Bewerbungsunterlagen werden benötigt:

·         ein tabellarischer Lebenslauf,

·         ein Passbild,

·         Darlegung der Motivation zur Fortbildung in handschriftlicher Form,

·         Zeugniskopien der Schul- und Berufslaufbahn.

Der/die Bewerber/in wird zu einem Gespräch eingeladen. Die Zulassung zur Fortbildung erfolgt durch den Prüfungsausschuss des Zentrums.

Der Schwerpunkt der Fortbildung im Humanistischen Psychodrama ist die Erlangung von Kompetenz im therapeutischen Handeln. Grundlagen sind psychodramatische Diagnostik und psychodramatische Methoden. Dementsprechend ist die Fortbildung im wesentlichen praktisch orientiert.

Sie erfolgt in einer Erfahrungsgruppe, in deren sozialer und psychisch aktueller Situation die Teilnehmer die wesentlichen therapeutischen Inhalte des Psychodramas erlernen. Dabei werden die Fortbildungsinhalte nie abstrakt vorgestellt, sondern stets in Bezug auf die eigene Selbsterfahrung vermittelt.

Die Fortbildungsarbeit findet als konkrete therapeutische Arbeit statt, die zusätzlich in Reflexionsphasen systematisch erarbeitet wird und in Übungssequenzen wieder in die Realität der Selbsterfahrungsgruppe Eingang findet. Dabei wird darauf geachtet, dass die beruflichen und privaten Erfahrungen der Teilnehmer in den Fortbildungsgang integriert werden.

Jede psychodramatische Methode und jedes psychodramatische Handlungskonzept wird so in einer aktuellen Gruppensituation eingeübt, die den Einsatz solcher Konzepte oder Methoden nahelegt, so dass die Fortbildung immer praxisbezogen bleibt.

Um diesen Praxisbezug auch außerhalb der Fortbildungsgruppe zu gewährleisten, ist eine Supervisionsarbeit erforderlich, in der die Fortbildungskandidaten/innen zusätzliche Erfahrungen sammeln. Diese Erfahrungen werden schriftlich dokumentiert und in der Supervisionsgruppe bearbeitet. Diese praktisch ausgerichtete und auf die Selbsterfahrung aufbauende Lehrmethode wird durch Theorieseminare ergänzt, in denen die wesentlichen Inhalte der Fortbildung theoretisch reflektiert und systematisch erarbeitet werden. Dabei wird nicht nur die Theorie des Humanistischen Psychodramas vorgestellt, sondern es werden auch Abgrenzungen von und Gemeinsamkeiten mit anderen Therapieformen dargestellt.

Die Lehrmethoden in der Fortbildung machen es nur schwer möglich, einen thematischen Fortbildungszyklus festzulegen, der für jede Unterrichtsstunde ein Thema vorgibt, weil sich die Inhalte der Fortbildung jeweils aus der aktuellen Situation der Gruppe entwickeln. Gleichwohl gibt es die Möglichkeit und Notwendigkeit den grundlegenden thematischen Verlauf der Fortbildung vorzuplanen.

Fortbildungsstruktur

Die Fortbildung umfasst einen Zeitraum von etwa 2 Jahren. In dieser Zeit setzen sich die Fortbildungskandidaten/innen mit dem Psychodrama persönlich auseinander, um die angestrebte Qualifikation zu erwerben. Innerhalb dieser 2 Jahre finden 208 Praxisstunden, 32 Supervisions-Stunden und verschiedene Theorie-Tagesseminare statt.

Um den Lernprozess der Gruppe und der einzelnen Teilnehmer/innen nicht zu unterbrechen, ist eine kontinuierliche Teilnahme an allen Veranstaltungen erforderlich. Innerhalb der Fortbildung darf der/die Fortbildungskandidat/in an 32 Praxisstunden entschuldigt fehlen. Weitere Fehlstunden sind nicht möglich und führen zu einer Beendigung der Fortbildung.

mögliche Theorieseminar-Themen

·         Geschichte und Entwicklung der Gruppenpsychotherapie und des Psychodramas

·         Die strukturellen und methodischen Grundlagen des Humanistischen Psychodramas

·         Philosophische und psychologische Grundlagen des Psychodramas

·         Soziometrie und Gruppenprozesse

·         Interaktions- und Kommunikationskonzepte

·         Rollentheorien im Humanistischen Psychodrama

Abschluss der Fortbildung

Nach Abschluss der Gesamtfortbildung über 13 Praxiswochenenden und nach Vollendung der Supervisionsarbeit kann die Abschlussprüfung zum/zur Psychodrama-Assistenten/in abgelegt werden. Sie erfolgt praktisch in der Fortbildungsgruppe; die theoretische Prüfung wird als schriftliche Hausarbeit abgelegt. Über die Prüfungen wird ein Zeugnis, über den erfolgreichen Abschluss der Gesamtfortbildung eine Urkunde ausgestellt. (Weitere Ausführungen finden Sie in der Prüfungsordnung.)